„Mir ist so langweilig! Alle Spielplätze sind geschlossen und draußen ist nichts los. Und raus darf ich sowieso nur ganz selten. Ich wäre viel lieber in der Schule als hier Zuhause!“ So ging es vielen Kindern in den letzten Wochen. Außerdem stöhnten sie über zu viele Hausaufgaben mit neuen Themen, die sie noch gar nicht erklärt bekommen hatten. Und einige Kinder waren in der Phase des Lock-Downs den ganzen Tag auf sich alleine gestellt. Es fehlte an einer geordneten Tagesstruktur – und jeden Tag hagelte es, neben den Hausaufgaben, immer neue Informationen über Corona.

So wie in vielen Kinder- und Jugendeinrichtungen stand auch bei bärenstark Erfurt zunächst alles still. Alle Angebote wurden eingestellt, die Betreuer jedoch machten sich Sorgen, wie es den Kindern mit diesen Einschränkungen ging. In manchen Elternhäusern ließ sich schon vor der Corona-Krise eine Überforderung abzeichnen. Nun sollten die Familien die schulische Bildung, wie auch das familiäre Miteinander, plötzlich alleine stemmen.

Mentoring bei Bärenstark Erfurt

bärenstark Erfurt ist in einem recht abgeschlossenen Stadtteil aktiv und versucht, den Kindern, Jugendlichen und allgemein benachteiligten Menschen vor Ort zu helfen. Beim bärenstarken Mentoring beispielsweise werden Kinder begleitet, die in einkommensschwachen Familien leben und Förderbedarfe zeigen. Dieses 1:1-Betreuungsprojekt hat sich im Wohngebiet ziemlich herumgesprochen und wird von den Familien sehr gut angenommen, viele Eltern bitten um Unterstützung. Das bärenstarke Mentoring zeichnet sich wesentlich durch ehrenamtliches Engagement aus. Besonders Studenten begleiten gerne ein Mentee-Kind. Dabei steht die ungeteilte Aufmerksamkeit für das Kind im Mittelpunkt. Einmal in der Woche darf das Kind bestimmen und das machen, wozu es Spaß hat. Kino, Schwimmen, Reiten und die Trampolinhalle gehören zu den Highlights bei den Kids. Viele Kinder machen solche Aktionen zum ersten Mal in ihrem Leben. „Ich bin das erste Mal vom 3-Meterbrett gesprungen“ oder „Ich saß das erste Mal auf einem Pferd“ – solche Sätze fallen immer wieder. Kulturelle Teilhabe ist leider keine Selbstverständlichkeit.

Solche Highlights sind schön, aber beim Mentoring geht es vor allem um das spielerische Erlernen von Alltags- und Sozialkompetenzen. „Heute gehe ich zusammen mit meinem Mentor einkaufen, dann backen wir einen Kuchen für den Geburtstag meiner Schwester!“, ist ein typisches Vorhaben von Mentees mit ihren Mentoren.
In der Corona-Zeit waren gemeinsame Aktivitäten dann nicht mehr möglich, der Kontakt zu den Mentoren drohte abzubrechen. Das Team von bärenstark Erfurt ermutigte dann die ehrenamtlichen Mentoren, den von ihnen betreuten Kindern Briefe zu schreiben, Kinderzeitschriften in den Briefkasten zu werfen und regelmäßig mit den Mentees zu telefonieren – je nach Mentoring-Tandem und Bedürfnissen des Kindes. Hauptsache, der Kontakt reißt nicht ab.

Bärenstark-Logo mit Maske

Mit Lockerung der Corona-Beschränkungen war das 1:1-Mentoring mit die erste Maßnahme, die wieder erlaubt wurde. Mittlerweile dürfen sich die Mentoren wieder mit ihren Mentees treffen. Das Team von bärenstark Erfurt ermutigt die Mentoren nun, auch auf die schulischen Belange zu achten: Beispielsweise in die Arbeitsblätter zu schauen, auf spielerische Art schulische Inhalte aufzuarbeiten und die Kinder zu unterstützen, dass sie den Anschluss nicht verlieren.

Doch nicht nur im Mentoring-Programm, auch allgemein wollten die Mitarbeiter von bärenstark Erfurt mit den betreuten Kindern und Jugendlichen während der Corona-Zeit möglichst im persönlichen Kontakt bleiben. Jeden Tag gingen daher ein bis zwei Mitarbeiter durch die Straßen und versuchten, mit den ihnen bekannten Gesichtern auf den Balkonen oder Gehwegen ins Gespräch zu kommen. Natürlich mit dem gehörigen Abstand, aber mit Aufmerksamkeit und Anteilnahme. Jede Woche bekamen die Kinder und deren Familien Post von bärenstark Erfurt, mit einer kleinen Ermutigung, Ideen zum Basteln oder etwas zum Lesen. Ergänzt werden diese Angebote durch eine telefonische Hausaufgabenhilfe.

 

Briefe für Familien

 

 

Über die sozialen Medien erhalten die Kinder und Eltern auch nach wie vor jeden Tag vielfältige Ideen, Geschichten, Videos und Tipps für den Familienalltag. Dafür hat das Spielmobil-Team beispielsweise eigens für diese Zeit kreative Puppentheaterstücke mit den Handpuppen Berti und Heinrich geschrieben und aufgenommen.

Handpuppenstück

 

 

Neben all den Einschränkungen in der Krise gibt es aber auch eine schöne Erfahrung, betont Gabi Obst, die Leiterin von bärenstark Erfurt: „Die Corona-Krise stärkt den sozialen Zusammenhalt. Das finden wir bärenstark.“

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